Die zentralen Institutionen der Selbstverwaltung im FSK sind die Radiogruppen. Das ist die Gründungserklärung aus dem Transmitter vom Januar 2008.

Alle Sendenden im FSK sollten in Radiogruppen organisiert sein. Die Radiogruppen stellen mit den Aktiven Anbieter_innen Delegierte für die Anbieter_innengemeinschaft, das zentrale Entscheidungsgremium im Sender. Bis vor kurzem gab es vier Radiogruppen – seit dem 6. Dezember sind es fünf. Bei der Mitgliederversammlung des FSK wurde die Aufnahme einer neuen Radiogruppe beschlossen. Um die Gruppe vorzustellen, drucken wir den Antrag von „projekt r“ zur Aufnahme als neue Radiogruppe im Freien Sender Kombinat ab.

FREIES RADIO UND WIR

Wir sind eine Gruppe von bisher 10 Menschen, die sich teilweise schon seit längerer Zeit sowohl aktiv an der Gestaltung der Sendeplätze wie auch an anderen Strukturen des Senders beteiligen. Die Erfahrungshorizonte und Hintergründe der Einzelnen sind zwar recht unterschiedlich, gemeinsam ist uns aber ein Anspruch an Inhalte und Organisation eines Freien Radios.

Freies Radio bedeutet für uns keinen Bürger_innenfunk, kein Mitmachradio für alle. Der gesellschaftliche Schein/Sein kann nur durch ein Konzept durchbrochen werden, dass über eine bloße Gegenöffentlichkeit hinausgeht. Diese kann zwar gelegentlich notwendig sein, ist aber für sich allein noch nicht emanzipatorisch, da nur andere Schwerpunkte als in den Mainstream-Medien gesetzt werden. Es ist daher unabdingbar, dass eine Reflexion und Diskussion von Inhalten und Strategien erfolgt.

Die Organisation eines Freien Radios ist für seine Wirkung entscheidend: Die kollektive Aneignung der Produktionsmittel auf jeder Ebene ist Voraussetzung für eine freie Assoziation freier Individuen. Dazu gehören im FSK sowohl die Aneignung und Entwicklung der Sendetechnik, aber auch der restlichen Bedingungen für das Existieren des Senders wie Bürodienst, Werbung,
Finanzen. In fast allen wichtigen Arbeitsgruppen beteiligen sich Menschen von uns und versuchen so, die noch immer (oder verstärkt?) bestehenden Trennungen von Inhalten und Produktionsmitteln, von Sendenden und Verwaltenden, aufzuheben und das vorhandene Wissen zu verallgemeinern. Angesichts der Zwänge der individuellen Lebensorganisation sind und werden unsere eigenen Ansprüche an uns selber leider nicht immer umsetzbar sein.

Dennoch wollen wir daran arbeiten, bestimmte Strukturen innerhalb des Senders aufzubrechen, eines Senders, der sich zwar als politischer versteht, in dem aber sowohl die Organisationsform der Einzelnen wie auch die Inhalte oft weit dahinter zurückbleiben.
Viele Sendende sind nicht in die Radiogruppen, die die zentralen Entscheidungen treffen, eingebunden und bewegen sich völlig entfremdet im Projekt. Dadurch ist weder eine verantwortliche Instanz für die Einzelnen, noch eine Diskussions- und Reflexionsmöglichkeit über fortwährend stattfindende größere und kleinere Katastrophen und Probleme gegeben. Viele als
Grundkonsens vorausgesetzte Standards (wie die üblichen Anti(anti).ismen) sind, wie wir immer wieder feststellen können, weder Grundkonsens noch durchgesetzt. Noch ist der Wille zu einer kritischen Auseinandersetzung darüber vorhanden. Generell finden inhaltliche Auseinandersetzungen kaum statt, oder eben nur mit den paar ‚üblichen Verdächtigen’, die auf dem Treffen der Anbieter_innengemeinschaft (ABG) auftauchen. Dieses Gremium als entscheidende Gewalt über alle wichtigen Vorgänge ist regelmäßig nicht einmal beschlussfähig, da einige Radiogruppen entweder faktisch nicht existent oder nicht wahrnehmbar sind oder nur von einzelnen Aktiven aufrechterhalten werden. So können sie auch ihrer Verantwortung gegenüber den Sendenden nicht gerecht werden.
Über die Stärkung der ABG hinaus, die allein zurzeit immerhin einen gewissen Austausch innerhalb des Senders gewährleistet, liegt es uns am Herzen, über Formen wie den Salon (eine Art Diskussionsabend zu unterschiedlichen Themen) sowohl Diskussionen zwischen den Sendenden wie auch im FSK-Umfeld anzustoßen, um die eigene Praxis kontinuierlich zu reflektieren.
Um die Trennung von Sendenden und Hörenden sukzessive aufzuheben, um den Sender zu einer Schnittstelle verschiedener, von uns als spannend und progressiv eingeschätzter Strömungen, Strukturen und Einzelpersonen zu machen, möchten wir auch Menschen, die nicht fest im Radio eingebunden sind, die Möglichkeit geben, die Strukturen zu nutzen.

Die Problematik, eine 24/7-Frequenz besenden zu können, aber auch zu müssen, liegt auf der Hand. Ein Großteil der Hörer_innen und auch wir selber schätzen gerade die oft besondere Musikauswahl, die im FSK läuft. Auch viele Fördermitgliedschaften sind eher durch die musikalischen als durch die politischen Inhalte motiviert, allerdings sind oft eben jene Sendenden, die diesen Programmschwerpunkt füllen, am wenigsten in die Strukturen des Senders eingebunden. Auch diese Trennung gilt es aufzuheben, eine Einbindung zu gewährleisten und damit auch inhaltliche Abirrungen mit musikalischer Verpackung zu verhindern oder wenigstens zu kritisieren.

Nicht nur auf die Produktion von Sendungen ausgerichtet, bieten sich die Räume und die Lage des FSK auch dazu an, ein sozialer und politischer Ort zu werden, zu dem Menschen zu spontanen Besuchen und Diskussionen kommen, ein Ort der Auseinandersetzung und des Austauschs.

Freies Radio ist keine Selbstverständlichkeit und sieht sich einer fortwährenden Bedrohung ausgesetzt. Von Innen, durch die eigenen Strukturen, ebenso wie von außen, z.B. Lizenzverhandlungen, Repressionen und auch der zunehmenden Prekarisierung der Sendenden, die ihre disponible Zeit verringert. Wir sind uns der Geschichte des FSK bewusst, der schmerzhaften
Prozesse, die verhindert haben, dass der Sender nur die mediale Aufbereitung von Abwegen, Blindheiten und Illusionen der – immer noch auch durch unsere Köpfe geisternden – so genannten Linken liefert.
Nur eine Kritik, die ohne Rücksicht auf eigene und andere Wünsche (z.B. die, eine öffentlich relevante große Bewegung zu sein) kann die Bedingungen der Möglichkeiten schaffen, den jetzigen Zustand aufzuheben und (weiterhin) verhindern, dass das FSK zum Sprachrohr einer alles integrierenden Szene wird.

Ein festgelegtes Themenspektrum unserer Gruppe gibt es nicht. Die kritische Begleitung der üblichen Events in Hamburg und Schleswig-Holstein gehört ebenso dazu wie auch, über deren Hintergründe aufzuklären. Wir wollen dabei keine spektakuläre Abbildung diverser Spektakel liefern, überhaupt muss nicht jedes Blubbern im Szenesumpf radiotechnisch verstärkt werden, und
unsere Ansprüche an die Bewegung ‚draußen’ sollen natürlich dieselben sein wie an Bewegungen oder Stillstände im Sender. FSK steht ebenso wenig außerhalb der gesellschaftlichen Vermittlungsbedingungen wie (leider) außerhalb oder neben verschiedenen linken Diskussionen, zu denen eine Positionierung gegebenenfalls notwendig ist.
Sendungen, die ihren Fokus von verschiedenen Seiten beleuchten, die die subjektiven Erfahrungen der Sendenden ebenso einbringen und kritisch betrachten wie eine Verknüpfung mit anderen Ebenen und Themen herstellen, sind unser Anspruch. Dabei sind uns nicht nur Inhalte wichtig, sondern auch deren radiotechnische Umsetzung. Vielleicht gelingt es uns (langfristig), neue Formen von Radioproduktion zu entwickeln, die sowohl das Senden wie auch das Hören verändern.

Wir wollen jetzt, nach zum Teil schon langjähriger aktiver Beteiligung im FSK nicht mehr nur mitmachen, sondern dabei sein. Wir wollen uns innerhalb unserer Gruppe unseren eigenen Ansprüchen stellen, und diese auch auf das Senderkombinat übertragen. Nur als wirklicher institutionalisierter Teil der Radiostruktur wird es unser Radio werden, und (uns) nur so alle Möglichkeiten eines wirklich freien Radios eröffnen.